Matthi Bolte

für grün begeistern.

Freibäder Gadderbaum und Schröttinghausen sanieren!

Rede im Rat der Stadt Bielefeld am 25.6.2009

Herr Oberbürgermeister! Meine Damen und Herren!

Am 26.3. hat der Rat den dauerhaften Erhalt der Freibäder in Schröttinghausen und Gadderbaum beschlossen. Wir legen Ihnen heute die Konsequenz aus diesem Beschluss vor. Denn Erhalt geht nicht ohne Sanierung.

Ein funktionales Freibad ist kein Planschbecken, genauso wenig braucht man dort goldene Duschköpfe. Wir haben mit dem Neubau des Hallenbads in Sennestadt gezeigt, dass wir hier in Bielefeld ein sehr gutes Maß dafür haben, was geht und was nicht, genauso bei der Sanierung der Freibäder in Dornberg und Hillegossen. In Brackwede haben wir mit dem Umbau zum Naturbad gezeigt, dass wir in unserer Stadt bereit sind, neue Wege zu beschreiten.

Der Förderverein in Schröttinghausen hat mit der ersten Stufe der Sanierung Großes und Anerkennenswertes geleistet. Nicht zu leugnen ist natürlich, dass es dafür äußerst positive Rahmenbedingungen gab – die aber ohne den großen Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern niemals zu diesem Ergebnis geführt hätten.

Diese erste Stufe der Sanierung steht für Gadderbaum noch bevor. Nach Einschätzung der BBF ist der Betrieb grundsätzlich aufrechtzuerhalten. Das ist zwar ein gutes Zeichen, aber wenn man sich die detaillierte Aufstellung über den technischen Zustand anschaut, dann trifft man auf undichte Fugen, aus denen jährlich 2000 Kubikmeter Wasser sickern, alte Farbanstriche des Beckenbodens, die über die Jahre die stattliche Dicke von einem halben Zentimeter erreicht haben, ständige Probleme mit Pumpen, Rohren, Kompressoren. Das kann alles immer wieder repariert werden, jedenfalls bisher. Aber ewiges Reparieren ersetzt eben keine Grundsanierung – und, soviel lässt sich absehen, ist auf Dauer betrachtet wesentlich teurer. Es muss also etwas passieren!

Wie so oft an solchen Punkten stellt sich für uns als Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker die wichtige Zukunftsfrage: Wie gehen wir mit dem um, was wir haben an Infrastruktur für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, für Sport und Bewegung? Wie stellen wir Bielefeld attraktiv auf? Wie schaffen wir es, dass mehr Menschen in unsere Stadt kommen, und wie schaffen wir es, dass wir gerne hier leben?

Meine Damen und Herren, Infrastruktur zu erhalten und zu stärken ist eine zentrale Aufgabe, um unsere Stadt zukunftsfähig zu halten. Bielefeld hat in den letzten Jahren – in den allermeisten Fällen sogar im Konsens – einen richtigen Weg beschritten. Im Dienste der kommenden Generationen haben wir nicht die kommunalpolitischen Fehler der Vergangenheit wiederholt und mutige Anstrengungen unternommen, den kommunalen Haushalt in den Griff zu bekommen.

Wir haben aber noch etwas viel verantwortungsvolleres getan: wir haben unsere Stadt nicht kaputt gespart. Wir haben investiert an Stellen, die bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen und für die Zukunft gut und wichtig sind. Und genau dazu gehört auch die Investition, über die wir heute sprechen. Eine Investition von gut 2 Millionen Euro, wie die BBF berechnet hat – ich vermute, der Antrag der FDP erledigt sich mit dieser Information.

Immer mehr Kindern und Jugendlichen fehlt es an Bewegung und ich spare es mir, mal wieder die Dicken Kinder zu bemühen. Immer mehr Kinder können nicht schwimmen oder lernen es deutlich später. Wir können in Bielefeld zwar ausreichend Schwimmunterricht anbieten, aber es geht um optimale Startchancen. Und dafür müssen sich Kinder früh an die Bewegung im Wasser gewöhnen, dafür braucht es gerade Freibadinfrastruktur. Sinnvoll die Freizeit zu verbringen, sich mit Spaß und Freude sportlich zu betätigen, das ist die Verknüpfung von Sport-, Jugend- und Sozialpolitik, wie wir sie so dringend brauchen.

Die beiden Bäder haben aber auch eine Integrationsfunktion. Sie führen Stadtbezirke zusammen und erfüllen so eine wichtige soziale Funktion. Sie sind ein Ort für vielfältige und kreative Veranstaltungen – und zwar in einer beachtlichen Anzahl. Dies alles wird getragen von bürgerschaftlichem Engagement, das uns alle oft beeindruckt hat.

Erinnern wir uns: Alle Gadderbaumerinnen und Gadderbaumer haben mit einem Engagement, das niemand vermutet hätte, für ihr Bad gekämpft. Mehr als je zuvor ist dieses Bad im Bezirk verankert. Es ist zum Identifikationspunkt für viele Menschen geworden. Die Initiative hat viele Menschen zusammengeführt und begeistert.

Das Bad in Schröttinghausen hat einen beachtlichen Sanierungsstand erreicht. Auch dies ist vor allem dem Einsatz der Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil geschuldet. Mehrere Tausend Arbeitsstunden von Ehrenamtlichen haben das Bad dorthin geführt, wo es heute steht.

Engagement lohnt sich. Engagement muss aber auch honoriert werden, es muss Erfolge hervorbringen dürfen. Erfolge wie ein Freibad, das durch bürgerschaftliches Engagement gerettet wurde, und das nicht einzig aus politischen Überlegungen heraus geschlossen werden darf – und ich spreche hier bewusst von Schließung für den Fall, dass Gadderbaum nicht in absehbarer Zeit saniert wird.

In Schröttinghausen mag der Fall etwas anders gelagert sein, aber der Grundsatz, dass sich Engagement lohnen muss, gilt hier genauso. Denn wenn sich Engagement für die Gesellschaft nicht mehr lohnt, wenden sich die Menschen immer stärker von unserem Gemeinwesen ab. Das muss uns bewusst sein und das müssen wir verhindern.

Gerade in einer Zeit der weltweiten Umbrüche, der Wirtschafts- und Gerechtigkeitskrise wollen wir zeigen, dass unsere Stadt für ihre Bürgerinnen und Bürger da ist. Wir investieren in die Zukunft, weil wir auf ein Bielefeld setzen, das in Bewegung ist, und in dem alle Menschen gerne leben. Damit es das gibt, bitte ich um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag.

Vielen Dank!

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