Matthi Bolte
für grün begeistern.Ständchen, Pralinen und jede Menge Blumen

Im neuen Bielefelder Stadtparlament ist die Politik auch eine Familienangelegenheit
Von Burgit Hörttrich
Bielefeld (WB). Oberbürgermeister Pit Clausen hatte ein Klavier in den Ratssaal rollen lassen und mochte nicht verraten, warum. Das Geheimnis wurde gelüftet mit der Verabschiedung von Alt-Oberbürgermeister Eberhard David. Clausen schenkte seinem Vorgänger im Amt ein Ständchen zum Abschied, meinte jedoch: »Angesichts Ihrer kulturellen Sensibilität singe ich lieber nicht selbst.« Stattdessen hatte er Nora von Linden, Petra Leißner, Christin Mollnar und Christian van den Berg (Klavier) vom Theater Bielefeld gebeten, den musikalischen Part zu übernehmen: Sie präsentierten den Welthit »Bei mir bist Du schön«, 1937 von den Andrew Sisters erstmals aufgeführt. Clausens Kommentar: »Das können wir eigentlich öfter machen. . .«
Die erste Ratssitzung der neuen Legislaturperiode war auch ein »Feiertag für Bielefelds Blumenhandel« (Clausen), denn Ratsmitglieder, die verabschiedet wurden, und neue Ratsmitglieder bekamen von ihren Fraktionen Blumen, Eberhard David gleich zwei Sträuße. Er eilte zu seiner Frau Gisela, die im Zuschauerbereich saß und bot ihr an: »Du darfst Dir einen aussuchen, den anderen behalte ich.« David versicherte, dass er sich in seiner ersten Ruhestandswoche noch »keine Sekunde« gelangweilt habe: »Wir haben uns in Hamburg das Musical ‘Ich war noch niemals in New York’ angeschaut, fahren demnächst nach Dresden. zwischendurch räume ich zu Hause mein Büro auf oder mache Gartenarbeit.« Einen Unterschied zu seinen Oberbürgermeisterzeiten gebe es aber. David: »Ich jogge jetzt morgens später – wenn es schon hell ist draußen.«
Zum ersten Mal war Gerhard Henrichsmeier (CDU) Alterspräsident des Rates. Sein »Gegenpart« im Stadtparlament ist Onur Ocak (Linke), mit 21 das jüngste Ratsmitglied. Dass Politik Familiensache ist, beweisen zum einen Jens Julkowski-Keppler und seine Tochter Lina Keppler, beide Grüne, zum anderen Friedhelm Bolte (FDP) und sein Sohn Matthi Bolte (Grüne). Vater und Tochter Keppler teilen sich im Rat auch einen Tisch – für sie nichts Ungewöhnliches. Schließlich stellten beide in der letzten Legislaturperiode die Grüne Fraktion in der Bezirksvertretung Jöllenbeck.
Die Amtseinführung des OB verfolgten auch dessen Eltern Ingrid und Hans-Christoph Clausen und Lebensgefährte Tom Sopp, Gabriele Helling, Ehefrau von Bürgermeister Detlef Helling war ebenfalls da. Gekommen war auch Davids frühere Büroleiterin Annette Irmer.
Für die Ratsmitglieder, die aus dem Gremium verabschiedet wurden, gab es unter anderem Pralinen »Bielefelder Ansichten«. Dorothea Becker (BfB) räumte ein, es falle ihr ein wenig schwer zu gehen, lachte dann aber: »Irgendwie fühle ich mich auch befreit!«
Artikel vom 30.10.2009 (c) Westfalen-Blatt


Wieder ohne Losglück
Ich hatte ja schon am Samstag angekündigt, dass ich meinen geplanten Redebeitrag für die Bundesdelegiertenkonferenz hier einstelle, falls ich nicht gezogen werde. Da ich das Glück nicht hatte, aber Euch die Rede nicht vorenthalten will, habe ich sie wie versprochen hier online gestellt. Wie üblich freue ich mich über Rückmeldungen und Diskussionsanstöße!
Auf geht’s! Ab geht’s!
Endlich ist es soweit: Meine Bewerbung für die Landesdelegiertenkonferenz Ende November in Hamm ist fertig, abgeschickt und wohlbehalten beim Landesverband angekommen. Damit habe ich das so für mich schwierigste schon geschafft, denn solche Bewerbungen schreibe ich überhaupt nicht gerne – vor allem, wenn ich nur 2000 Zeichen schreiben darf. Jetzt will ich Euch aber nicht weiter auf die Folter spannen: hier gehts’s lang zu dem guten Stück.
Da werden Prioritäten gesetzt
Die Uni ist ja immer für eine Überraschung gut, insbesondere das vielgepriesene Dezernat Facility Management. Der neueste Streich: Die aktive Bekämpfung von Audimin-Partys. Die gibt es nämlich noch, obwohl ja mit Studiengebühren, der reformbedürftigen Bologna-Umsetzung und Leistungsdruckklima schon fast zu vermuten wäre, dass an NRWs Hochschulen alles ausstirbt, was nicht der Humankapitalbildung dient.
Denn bei Studentischen Feiern geht es nicht nur darum, mal für ein paar Stunden was anderes zu tun als Wissen zu akkumulieren. Es geht auch um einen Beitrag zur Kultur junger Menschen. Die sollte auch an einer Uni noch vorkommen. Dass die Oberhausmeister vom Facility Management von junger Kultur anscheinend keine Ahnung haben, zeigt sich jetzt in aberwitzigen Auflagen für Audimin-Partys: Es soll u.a. eine Kaution von 5000 Euro hinterlegt werden (das entspricht übrigens den Studiengebühren von 14,28 Menschen), wodurch die VeranstalterInnen letztlich für jegliche Probleme während der Party haften sollen. Außerdem sollen die Partys um 1.00 Uhr enden. Das mag manche VeranstalterInnen von 8-Uhr-Seminaren freuen, ist aber mit Blick auf das Kulturverhalten junger Leute völlig weltfremd.
Eins wollte der Uni-Sprecher in der heutigen NW auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen: Die Westend-Party diese Woche findet selbstverständlich statt. Denn da geht’s schon längst nicht mehr um studentische Party-Kultur, sondern um Kommerz in den heiligen Hallen der Uni. Und der ist immer willkommen.
Es wird ernster
Donnerstag Abend hat der GRÜNE Kreisverband Bielefeld mir ein Votum für meine Kandidatur für den Landtag ausgesprochen. Mit 36 von 37 Stimmen (oder sagenhaften 97%, klingt noch toller!) wurde ich unterstützt. Ehrlich gesagt: Ich war ganz schön aufgeregt, und bin umso glücklicher und erleichterter, dass die Unterstützung so riesig groß ist. Das gibt viel Kraft. Die brauchte ich auch, denn schon Freitag Abend ging es weiter im Kandidaturverfahren, nämlich beim Bezirksrat der OWL-GRÜNEN.
Auch der Bezirksverband unterstützt mich, und zwar mit dem ersten offenen Votum. Hierfür gab’s 13 von 14 Stimmen, und das ist bei insgesamt 10 BewerberInnen ein wahnsinniges Ergebnis, das ich ehrlich gesagt noch nicht ganz glauben kann.
So gestärkt kann ich nur sagen: Ich freue mich auf das weitere Verfahren bis zur LDK Ende November, bei der die Liste aufgestellt wird. Und ich freue mich natürlich total über Unterstützung.



