Matthi Bolte
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Alltäglicher Erfolg
Manchmal frage ich mich, was eigentlich politische Erfolge ausmacht. Eine Geschichte, die mir diese Woche passiert ist, illustriert das vielleicht: Am Mittwoch Nachmittag hatte ich mal wieder Jugendhilfeausschuss. Dieser, im übrigen wirklich nette und in fast jedem Punkt echt Spannende Ratsausschuss hat in den letzten Jahren ziemlich zum Thema Kinderbetreuung gearbeitet. Sogar soviel, dass ich manchmal fürchte, dass wir ebenso wie von der Leyen und Laschet (deren Jugendpolitik sich auf Spaßveranstaltungen wie Projekt P und Berlin 08 oder billige PR-Gags wie den NRW-Jugendlandtag beschränken) die Jugendlichen in unserer Stadt aus den Augen verlieren. Wie auch immer: letzten Mittwoch unter Tagesordnungspunkt 5 hatten wir eine ganz schlichte und kurze Verwaltungsvorlage, in der wir mal eben den Ausbau der Tagesbetreuung für unter 3-jährige auf 35% Versorgungsquote bis 2013 beschlossen haben. Noch 2004, als ich mit Kommunalpolitik ernsthaft angefangen habe, wäre das wohl undenkbar gewesen. Jetzt geht das schwuppdiwupp über den Tisch.
Was mich wirklich erstaunt hat, war allerdings, dass die anderen Fraktionen zunächst gar nichts sagen wollten. Ich habe dann erzählt, dass ich ziemlich baff wäre, was sich in den letzten Jahren getan hat, dass sich in dieser Gesellschaft was verändert hat und dass zukunftsfähige Kinderbetreuung zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft dazugehört. Das ganze möglichst ohne den Wahlkampfhansel zu machen, und was ich gesagt habe, war auch ganz ohne Wahlkampfgetöse gemeint, sondern ganz ehrliche Begeisterung darüber, dass sich was tut.
Klar, die bessere Versorgung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir noch viel zu tun haben, wollen wir den Bildungsanspruch in der Tagesbetreuung stärker verankern. Das kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland für ein altes Auto 2500 Euro übrig hat und für ein Kind 100. Das kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir mal wieder 420.000 Euro als Stadt ausgeben, weil das Land NRW nicht in Gang kommt und die Kofinanzierung seit Kibiz sowieso nicht befriedigend ist. Aber alles in allem: gut ist es trotzdem. Und irgendwie auch spannend, dass manchmal riesige Fortschritte gemacht werden, ohne dass es einigen KollegInnen bewusst ist.
BfB gegen junge VerantwortungsträgerInnen!
Zur gestrigen Äußerung des Vorsitzenden der Bürgergemeinschaft, Johannes Delius, „Lebenserfahrung sollte man sich nicht im Rat holen, sondern dort einbringen“, erklären die Grünen Ratsmitglieder Lina Keppler und Matthi Bolte:
„Herr Delius ignoriert die Fähigkeiten junger Menschen und seine Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Wer sich weigert, junge Menschen in verantwortungsvolle Positionen übernehmen zu lassen, zeigt, dass die Bürgergemeinschaft eine Ein-Generationen-Partei ist.
Als Grüne sind wir uns der Herausforderungen einer Gesellschaft im Wandel bewusst. Wir wollen mehr junge Menschen in politische Prozesse einbeziehen und ihnen eine starke Stimme verleihen. Unsere Initiative für institutionalisierte Partizipation im März letzten Jahres ist am Widerstand der großen Fraktionen, die die Mitbestimmung junger Menschen lieber als PR-Gag im Wahlkampf vorbringen, weitgehend gescheitert, so begrüßenswert einzelne Projekte im Rahmen der Programme Stadtumbau West (Sennestadt) und Soziale Stadt (Stieghorst) auch sind.
Wir freuen uns, dass wir mit der mit Abstand jüngsten Ratsfraktion und dem mit Abstand aktivsten Jugendverband, der Grünen Jugend Bielefeld, zeigen, dass nur die Grüne Bewegung fähig ist, den Ausgleich zwischen den Generationen herzustellen.“
Antrag zur Jugendkulturarbeit im nächsten Jugendhilfeausschuss
Die Diskussion über die Neuausrichtung der Kinder- und Jugendkulturarbeit geht in ihre Schlussphase. In der September-Sitzung des Jugendhilfeausschusses ist die Einrichtung einer Koordinierungsstelle unter dem Dach des Bielefelder Jugendrings beschlossen worden. Wie vielen von Euch bekannt ist, haben wir diese enge Anbindung der Kinder- und Jugendkulturarbeit an die festgefügten Institutionen der Bielefelder Kinder- und Jugendarbeit immer kritisch gesehen.
Wir wollen selbstorganisierte, freie und emanzipative Kinder- und Jugendkulturarbeit fördern, dabei bleiben wir. Aus diesem Grund bringen wir im Oktober einen Antrag in den Jugendhilfeausschuss ein, der weitere inhaltliche und strukturelle Präzisierungen vorsieht.
Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen!
Positionspapier zur Kinder- und Jugendkulturarbeit
Es ist vieles in Bewegung in Bielefeld, auch die Kinder- und Jugendkulturarbeit soll sich verändern. Ich habe daher für die Grüne Ratsfraktion ein Positionspapier hierzu entwickelt. Unter dem Titel „Jetzt die Chance nutzen: Für eine selbstbestimmte, erweiterte und partizipative Kinder- und Jugendkulturarbeit“ stellen wir Kulturarbeit auf die Füße kommunaler Jugendpolitik. Im Mittelpunkt steht die gerechte und gleichwertige Behandlung selbstorganisierter Jugendkultur, denn Kultur ist überall und mitten im Leben.



