Matthi Bolte

für grün begeistern.

Archiv fürKlimaschutz

Mal wieder ein Angriff auf die kreative Demokratie

Nach dem (mittlerweile) allseits unbeliebten Lutz Heilmann und der nicht weniger unbeliebten Deutschen Bahn fängt sich jetzt der Atomkonzern RWE den geballten Internetprotest ein. Was ist denn jetzt schon wieder los?, fragt sich geneigte Leserin, und findet folgende Geschichte: die saustarke Organisation urgewald hat eine Satirekampagne aufgelegt, mit der RWEs „Pro-Klima“ Angebot persifliert wird. Nachdem ich das mal genauer studiert habe, weiß ich zwar nicht, ob es tatsächlich noch Satire braucht, oder ob nicht langsam die kohlestaubdreckige Lüge vom klimafreundlichen Atomstrom satirisch genug ist. Aber wie auch immer: Für dieses

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Motiv hat urgewald jetzt reichlich Zoff mit RWEs Werbeagentur. Das ist jetzt nicht mehr nur KundInnenbeschiss, sondern eine Attacke auf die Demokratie. Und dagegen sollte es Protest geben. Hier per Brief an den RWE-Vorstand,  mit Bannern zum Einfügen auf Eurer Seite oder hier mit vielen weiteren Infos.

Sicher ist nur das Risiko

Die Atomlobby hört nicht auf, dem Verstand Widerstand zu leisten. Schluss mit der Atomlüge, sagen die Grünen, und nicht nur das. Sondern endlich auch wieder: Auf ins Wendland! Gorleben ruft!

Gemeinsam nach Gorleben!

Am 8.11. findet in Gorleben eine Großdemo statt. Auch von Bielefeld aus wird es Busse geben, jedenfalls sieht es derzeit danach aus, potenzielle MitfahrerInnen finden im Grünen Büro (info@gruene-bielefeld.de) viele kompetente AnsprechpartnerInnen.

Auch der Grüne Bundesvorstand ruft auf zum Protest: Den Aufruf „Vom 8. bis 10. November gegen Atomkraft demonstrieren, mit gewaltfreien Aktionen den Castor stoppen“ findet ihr hier. Zur Mitfahrbörse führt ein sanfter klick auf Klick.

Irrwitzige Kampagne von Vattenfall

Nun sind wir von Vattenfall ja einiges gewohnt. Nicht nur den Kohlekolloss von Moorburg. Wer sich zwei Jahre zurückerinnern möchte, weiß, dass es ein Atomkraftwerk von Vattenfall war, dass Europa damals so nah an den Rand der atomaren Katastrophe gebracht hat wie seit Tschernobyl nicht mehr: Forsmark in Schweden.

Jetzt haben sich die Schweden was ganz besonderes ausgedacht. Online darf man eine Klimaschutzerklärung unterzeichnen und wird zu kleinen Schritten aufgefordert, z.B. Hähnchen statt Rindfleisch essen (wie wärs eigentlich mit gar keinem Fleisch?). Gut, dass Vattenfall lieber verschweigt, dass der Konzern in Deutschland 80% seines Stroms mit fossilen Energieträgern erzeugt und nochmal 15% Kernenergie obendrauf packt. International betrachtet sind es 42% Fossile und 35% Kernkraft (Quelle).

Wer von Klimaschutz redet, sollte auch konsequent sein: Bei der Erzeugung von Vattenfall-Strom entstehen pro KWh 655 bis 655 Gramm CO2. Ein Ökostromanbieter im Vergleich dazu: 0 Gramm. Macht in der Summe für einen Standardhaushalt eine Einsparung pro Jahr von 2950 kg (Mehr Infos).

Vielleicht sollte Vattenfall seine Plastikfiguren lieber für StromwechslerInnen verschenken.

Moorburg darf nicht Schule machen!

Es ist traurig, aber war wohl nicht zu verhindern. Anja Hajduk musste das Kohlekraftwerk Moorburg genehmigen. Hamburg ist damit einen großen Schritt zurück ins fossile Zeitalter gegangen, der aber schon vor der Wahl zu weit vorbereitet war. Alles andere als die Genehmigung wäre ein Bruch mit geltendem Recht gewesen und insofern kein gangbarer Weg.

Der jetzt gewählte Weg ist wohl das Maximum von dem, was zu erreichen war. Vattenfall wird zu Recht so gut es geht geärgert: die Auflagen, die den Energiekonzern zwingen, sein überdimensioniertes Millionengrab an 250 Tagen mit gedrosselter Leistung zu fahren, sind ein wichtiger Schritt, Vattenfall zum Umdenken zu zwingen. Über acht Millionen Tonnen Kohlendioxid, eine noch längst nicht verhinderte Erwärmung der Elbe und die Festlegung auf eine rückständige Energieform auf Jahrzehnte – all das sind gute Gründe, selbst den ersten Schritt zu machen. Der besteht im Stromwechsel. Ich bin seit der Auseinandersetzung um das Bielefelder Kohlekraftwerk nicht mehr Kunde der Stadtwerke, sondern bekomme nachhaltigen Strom von Greenpeace Energy. Viele Infos zum Stromwechsel gibt es hier. Und wie das Grüne Energiekonzept für die Zukunft aussieht, könnt Ihr hier nachlesen.

Welche Konsequenzen Moorburg für die Koalition in Hamburg hat, lässt sich wohl nicht absehen. Natürlich wird es bei den Hanseatischen FreundInnen heftige Diskussionen geben. Ich hoffe, dass sie nicht vergessen, dass dies eine ausschließlich rechtsstaatliche Entscheidung ohne politischen Spielraum war. Wie groß die politischen Überschneidungen mit der Partei, die diese rechtsstaatliche Entscheidung vor der Bürgerschaftswahl herbeigenötigt hat, noch sind, wird zu klären sein.

Zuletzt: hier geht es zum Aufruf „Klimaschutz ohne wenn und aber – Nein zur atomaren Renaissance und zu neuen Kohlekraftwerken!“ und hier zu Kathrin Hennebergers Erfahrungsbericht bei der Besetzung der Baustelle in Moorburg.