Matthi Bolte
für grün begeistern.Archiv fürNetzpolitik
WUMS*
Nach der großartigen Satire von Frontal21 vom letzten Dienstag folgt nun ein weiterer Anschlag auf den WUMS. Diesmal vom Poetry Slam beim Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND.
Der Wums!
Wer Unter Menschen Seine
Wahre, Unverstellte Meinung Sagt
Wird Unumstößlich Mehrmals Sehen
Wie Umstände Mittelmaß Säen
Wider Unseren Mächtigen Slogan
Werden Umsonst MännerInnen Streiten
“Wehe Uns”, Meinte Selbst
Weise Urgesteine Mit Säuerlichkeiten
W U M S
gemopst aus dem Blog der GJ.
* WUMS ist das GRÜNE Zukunftspaket für ein besseres Europa! WUMS steht für Wirtschaft & Umwelt menschlich & sozial. Nach meiner Erinnerung haben wenig Kampagnen so hohe Wogen schon innerhalb der GRÜNEN Bewegung geschlagen wie diese.Ich finde WUMS übrigens super. Wir brauchen nicht einfach nur Veränderung, sondern wir brauchen schnelle Veränderung. Nationalstaatliche Regelungen allein reichen längst nicht mehr aus. Deshalb brauchen wir GRÜNE am 7. Juni bei der Kommunalwahl ein phantastisches Ergebnis. Wir wollen in Bielefeld die 20% knacken!
Demokratie 2.0 ohne die SPD
Dieses Wochenende geht die Website von Marianne Weiß auch offiziell online, nachdem unsere OB-Kandidatin schon seit einiger Zeit auf den Seiten des Kreisverbands regelmäßig über Bielefelder Politik gebloggt hat. Soweit so gut, mittlerweile stehen viele Videos vom Grünen Kommunalparteitag im Bielefeldgrünen Youtube-Kanal und wir haben für die heißeren Wahlkampfphasen auch noch ganz viel vor. Worum geht’s, wenn Politik ins Internet geht? Sicherlich nicht nur um die Einwegkommunikation klassischer Medien, in denen große PolitikerInnen die Welt erklären und die BürgerInnen zuzuhören haben. Es muss Möglichkeiten geben, sich einzubringen, politische Initiativen zu kommentieren, EntscheidungsträgerInnen zum Nachdenken zu bewegen, und es geht auch darum, dass PolitikerInnen ein Feedback bekommen, das konstruktiver ist als Eierwürfe und deutlicher als Funktionärsgerede bei offiziellen Empfängen.
Das alles hat die SPD in Bielefeld noch nicht begriffen. Nicht nur ihre extrem-90er-Homepage, bei der der Begriff Homepage wirklich mal angebracht ist, bietet dafür ein Beispiel. Von den Inhalten, die im Wesentlichen aus Pressemitteilungen der sozialdemokratischen Landtagsfraktion bestehen, ganz zu schweigen. Anscheinend hat irgendjemand Peter Clausen davon erzählt, dass mensch mittlerweile auch Videos ins Internet stellen kann. Was dabei rauskam, ist das hier:
Das schöne daran ist nicht nur, dass der Versuch, bloß nicht den Teleprompter aus den Augen zu verlieren, schon ziemlich nach Realsatire aussieht. Besser ist noch, dass diese Videoversuche nichts von alledem berücksichtigen, was Demokratie 2.0 berücksichtigen sollte. Die deaktivierte Kommentarfunktion, die deaktivierte Bewertungsfunktion, die Ausstrahlung des Redners, dem eine Deaktivierung des Internets offensichtlich am liebsten wäre – alles das wird uns gute Richtschnur sein, wie es nicht gehen sollte.
Eine Grüne Oberbürgermeisterin wird die Neuen Medien auf allen Kanälen nutzen, um BürgerInnen zu beteiligen. Auch die Grüne Ratsfraktion wird – dafür werde ich mich auch persönlich stark machen – die Möglichkeiten zur Online Partizipation noch ausbauen. Das Internet ist die Schlüsselressource auch für Teilhabe an Bildung. Deshalb bin ich besonders glücklich darüber, dass der Grüne Kommunalparteitag den kostenlosen Zugang zum Internet für alle BielefelderInnen als Ziel festgeschrieben hat und auch die Möglichkeit eines freien W-Lan für Bielefeld (evtl. auch in Zusammenarbeit mit Privaten) für gut befunden hat.
Wer macht den besseren Pitcast?
Wie gesagt, ich finde, Pit Clausens staatstragende Rede unter der Yukka-Palme schreit nach Satire. Wer sich das Video vorknöpft, es neu vertont, remixt oder was auch immer, und mir bis zum 1.3.2009 eine Kopie an matthi(at)matthi-bolte.de schickt, hat eine einmalige Chance: Ich vergebe für die witzigste Interpretation dieses Videos ein Essen im „Nichtschwimmer“! Das passt vom Namen her so wunderbar und ist obendrein noch im Haus der SPD – freu mich also auf Eure Beiträge und einen schönen Abend mit den Kreativsten unter Euch!
Protest 2.0
Tja, mit soviel Solidarität der Bloggergemeinschaft hat die Bahn wohl nicht gerechnet. Sonst hätte sie wohl kaum Markus Beckedahl von netzpolitik.org abgemahnt, weil er ein Dokument über die Bahn und ihre Spitzeleien veröffentlicht hat.
Wir alle kennen die Bahn und insbesondere Hartmut Mehdorn als Garant lustiger Abenteuer, Arbeitgeber mehr oder minder freundlichen Personals (obwohl ich echt sagen muss, da hat sich was getan), Kleinkrämer mit Weltmachtambitionen und jawohl – den erfolgreichsten und penetrantesten Privatisierungsscheiterer.Dass unsere FreundInnen in Rot-Weiß sich jetzt noch an der Pressefreiheit vergreifen, passt irgendwie zu ihrer Strategie, für die Mehdorn ja sogar schonmal ausgezeichnet wurde.
Wie auch immer: Die Bahn hat Beckedahl abgemahnt und was folgte, war eine Solidaritätswelle erster Klasse. Nicht nur, dass vermutlich kaum eine Meldung bei Twitter in den letzten Monaten so oft retweetet wurde wie diese Nachricht mit dem entsprechenden Hilferuf. Binnen weniger Stunden waren alle großen Onlineredaktionen im Bilde und veröffentlichten die Meldung an prominenter Stelle, heute kamen auch die Printmedien dazu. Das Desaster für die Bahn ist perfekt: Nicht nur dass sie immer tiefer in den Spitzelsumpf abgleitet, sie hat so ziemlich die gesamte Netzgemeinde gegen sich (wobei ich vermute dass bahn.de ein präventiver Racheakt ist) und auch eine Reihe PolitikerInnen unterschiedlicher Lager.
Die Konsequenz kann nur sein, dass die Bahn anfängt, mal nachzudenken. Und das geht am besten ohne alle verantwortlichen der Spitzelaffäre. Vor allem: ohne Mehdorn.
Und natürlich: Das Dokument, das den Ausschlag für die Aktion gegeben hat, vielfach veröffentlichen.



