Matthi Bolte
für grün begeistern.Archiv fürPit Clausen
Rück die Daten raus, Pit!
Es ist nichts anderes als eine riesengroße Sauerei, dass die Stadtwerke anscheinend die Daten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Werbezwecken an die SPD weitergegeben hat. Es gibt eine enge Verknüpfung zwischen SPD und Stadtwerken, die geht soweit, dass der Geschäftsführer im Unterbezirksvorstand seiner Partei sitzt.
Natürlich gilt sogar für die Bielefelder SPD eine Unschuldsvermutung. Warum sollte die SPD-Betriebsgruppe nicht tatsächlich durch rumtelefonieren, im Telefonbuch suchen usw. die Adressen von 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden?
Vielleicht, weil Menschen mit zwei Personalnummern zwei Wahlbriefe gekriegt haben sollen. Vielleicht, weil sie dann wohl darüber nachgedacht hätten, ob sie dem CDU-Oberbürgermeisterkandidaten einen Brief schreiben, er solle sein Unternehmen in Clausens gute Hände legen. Vielleicht auch, weil es Menschen gibt, die sagen, sie seien aus irgendwelchen Gründen umgezogen und hätten noch nichtmal die Zeit gehabt, sich bei Telekom und Einwohnermeldeamt umzumelden, allerdings bei ihrem Arbeitgeber.
Das sind sachliche Ungereimtheiten, die es aufzuklären gilt. Und zwar restlos. Es muss auch geklärt werden, welche Rolle Pit Clausen in dieser Affäre gespielt hat. Denn dann wird auch klar, ob es bei den Stadtwerken Bielefeld eine Datenaffäre oder einen Datenskandal gab.
Eines muss aber klar sein: Es ist eine mindestens genausogroße Sauerei – und davon wissen wir, dass es stimmt – dass Clausen behauptet, nur mit ihm würden die Stadtwerkeanteile, die CDU, BfB und FDP vor Jahren versilbert haben, zurückgekauft. Es gibt einen einstimmigen Ratsbeschluss, das zu tun. Da hat er mitgestimmt, aber alle anderen 59 Ratsmitglieder und der Oberbürgermeister auch. Wer so versucht, die Leute für dumm zu verkaufen, sollte nicht Oberbürgermeister werden.
Warum eigentlich nicht?
Irgendwie ist es doch seltsam. Da geh ich durch die Stadt und sehe Pit Clausen, wie er mit zwei Jusos und einer Kleinlasterladung Rosen durch die Bahnhofstraße stolziert wie Ludwig XIV., und das höchste der Gefühle für PassantInnen ist es, ihm eine Rose zu entreißen und sich dann ganz schnell zu verdrücken. Ich hab ja nix gegen ihn, bin sogar bei Facebook mit ihm befreundet, aber so richtig, richtig kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ich mich anders verhalten würde, wenn ich ein ganz wahlkampffrei durch die Stadt latschender Mensch wäre.
Landgraf ganz ähnlich: Am Dienstag vor dem Max-Planck-Gymnasium. Ein Bulli fährt vor, ein Landgraf und zwei Jungs von der JU mit Käppi steigen aus und schleppen drei Pakete Lutscher ran. Kein einziges Stück Information wird an die SchülerInnen verteilt, lediglich das morgendlich-ostwestfälische Lächeln, Karies und viel rumliegende Plastikfolie. Und vor meinem geistigen Auge erscheint der Landgraf, dem unser Flyer „Lesen statt Lutschen – GRÜNE Inhalte gegen Prickel Pits und Landgraf Lollies“ gewidmet ist.
Und die dritte im Bunde der Aussichtsreichen? Kommt mit ihrem E-Fahrrad zum Stand und ist, noch bevor sie Zeitungen in die Hand nehmen und verteilen kann, im Gespräch mit Interessierten. Da denke ich: So sollte eine Oberbürgermeisterin sein. Schließlich wählt man keine Parteiprogramme, sondern Personen. Tja, aber die NW gibt alles, um sie zur Zählkandidatin zu schreiben, verschweigt den sozialdemokratischen Datenskandal bei den Stadtwerken und beschwert sich gleichzeitig, dass Clausen und Landgraf eh nur großkoalitionäre Soße sind. Und leider glauben das viele Leute auch noch. Wer sich nicht mit dem kleineren Übel anfreunden mag, muss sich trauen.
Warum eigentlich nicht?
Kleine Überzeugungshilfe:
- unsere Entscheidungshilfe für Unentschiedene (in der Infospalte rechts „3 gute Gründe“)
Berichterstattung zum TV-Duell von Clausgraf
Die Soziologie kennt das Problem der „Self-fulfilling prophecy“, also einer sich selbst erfüllenden Prognose, recht gut. Die Bielefelderinnen und Bielefelder können dieses Phänomen live und in Farbe beobachten, wenn sie die Berichterstattung über das TV-Duell der OB-Kandidaten Landgraf und Clausen konsumieren.
Nachdem zunächst über die möglicherweise wahlentscheidende Bedeutung dieses Auftritts spekuliert wurde, wundert sich die NW nun, dass die beiden Kandidaten der Großen Koalition im Rat sich gar nicht so unähnlich sind. Wie überraschend! Diejenigen, die das Salz in der kommunalpolitischen Suppe sind, hatte man aus Angst, sie könnten den angeblich großen (die bei 25% krebsende SPD ist schließlich viel größer als die GRÜNEN bei 19%) Parteien die Schau stehlen, gar nicht eingeladen.
Ich finde, ewig den Einheitsbrei der ehemaligen Volksparteien zu kritisieren, und dann aber alles dafür zu tun, die Alternativen zu verschweigen, ist ein falscher und Langeweile erzeugender Weg, der nicht gut ist für unsere Demokratie.
Wer ist Schneider und wer ist Schneiderin?
In Bielefeld gibts einen neuen Trend der politischen Werbung. Wer was auf sich hält, kupfert von der GRÜNEN Bewegung ab. Da sind die Jusos mit ihren Sprühkreidereien „Wer ist Schneider?“ Nur ein besonders misslungenes Beispiel. Denn jeder Mensch, der sich mal mit viralem Marketing befasst hat, weiß, dass nachgemachte Aktionen dumm und albern wirken.
Aber wir sind es nicht anders gewohnt. Kohlekraftwerksclausen wirbt nicht nur für ein schönes Leben, sondern auch für ein besseres Klima. Wieviele Straßen er schon in großer Koalition mit der CDU durchgesetzt hat, verschweigt er lieber. Dass er nix zu bieten hat, als die Stadtbahnlinie nach Heepen, die alle wollen, verschweigt er auch.
Aber wer ist eigentlich Schneider? Guntram heißt er, ist DGB-Landesvorsitzender und dadurch qualifiziert, einen freien Wahlkreis der SPD zu besetzen. Ich kenne ihn als Dauergast auf GRÜNEN Landesparteitagen, wo er auch oft sinnvolle Dinge erzählt (die dann nichts mit Kohle und Autos zu tun haben) und regelmäßig den Schulterschluss zwischen Gewerkschaften und GRÜNEN beschwört. Wie gesagt: Vieles davon ist gut, auch wenn Auftritte wie beim letzten Parteitag in Hagen, wo er sich mit den Worten „Das schönste am Wein ist das Bier danach“ für das Geschenk zu seiner Rede bedankt hat, doch eher zu den ungewöhnlichen im politischen Geschäft gehören.
Wie auch immer, mit Bielefeld hat Schneider genauso wenig am Hut wie unsere andere Mitbewerberin von der CDU. Lena Strothmann ist vermutlich vielen Menschen im Plenum des Deutschen Bundestags in Erinnerung, schließlich hat sie in dieser Legislaturperiode immerhin viermal dort gesprochen. Statistisch eine Rede pro Jahr – Gratulation! Diese geringe Quantität wird nur noch dadurch getoppt, dass alle vier Reden das gleiche Thema hatten: Den Wegfall des Schornsteinfegermonopols…
Wer was anderes sucht als einen Unterbringungsfall des austauschbaren Verbandsfunktionärs oder eine abwesend-unbekannte, muss wohl auf die GRÜNE Alternative zurückgreifen. Wer das ist? Einfach mal hier klicken.
Ich weiß nicht, wieso…
…aber ich musste bei diesem Plakat an Pit Clausen denken. Gesehen hab ich es in Mönchengladbach, wohin ich zur Mitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND NRW reisen durfte.




